{"id":8774,"date":"2018-11-20T09:00:42","date_gmt":"2018-11-20T08:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/forum-helveticum.ch\/2018\/11\/discours-de-corina-casanova-presidente-du-forum-helveticum-a-loccasion-du-10e-anniversaire-de-linstitut-du-plurilinguisme-a-fribourg\/"},"modified":"2018-11-20T09:00:42","modified_gmt":"2018-11-20T08:00:42","slug":"discours-de-corina-casanova-presidente-du-forum-helveticum-a-loccasion-du-10e-anniversaire-de-linstitut-du-plurilinguisme-a-fribourg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forum-helveticum.ch\/fr\/2018\/11\/discours-de-corina-casanova-presidente-du-forum-helveticum-a-loccasion-du-10e-anniversaire-de-linstitut-du-plurilinguisme-a-fribourg\/","title":{"rendered":"Discours de Corina Casanova, Pr\u00e9sidente du Forum Helveticum, \u00e0 l&rsquo;occasion du 10e anniversaire de l\u2019Institut du Plurilinguisme \u00e0 Fribourg &#8211; 19.11.2018"},"content":{"rendered":"<p>Es ist f\u00fcr mich eine besondere Ehre, heute am 10-j\u00e4hrigenJubil\u00e4um des Instituts f\u00fcr Mehrsprachigkeit das Wort zu ergreifen. Und ich danke Ihnen, Herr Direktor, ganz herzlich daf\u00fcr.<\/p>\r\n<p>Bereits vor bald 10 Jahren durfte ich in meiner Funktion als Bundeskanzlerin bei der Er\u00f6ffnung des Instituts zu Ihnen sprechen.<!--more--><\/p>\r\n<p>Als ehemalige Studentin der Universit\u00e4t Freiburg f\u00fchle ich mich mit der Universit\u00e4t verbunden. Zwar habe ich an einer anderen Fakult\u00e4t promoviert, aber die Sprachen haben mich schon damals interessiert. Und dank der innovativen Leitung der juristischen Fakult\u00e4t konnte ich eine Pr\u00fcfung in R\u00e4toromanisch ablegen. Besucht habe ich die Romanischvorlesungen von Iso Camartin und Alexi Decurtins w\u00e4hrend meinem ganzen Jus-Studium.<\/p>\r\n<p>Begleitet haben mich die Sprachen schon immer \u2013 privat und beruflich. Dabei hatte ich das Privileg, mehrsprachig aufzuwachsen und in Bereichen t\u00e4tig zu sein, wo Sprachen eine Rolle spielen, sei es als Rechtsanw\u00e4ltin und Gerichtsschreiberin, oder als Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.<\/p>\r\n<p>Als Bundeskanzlerin habe ich mich im Rahmen meiner Kompetenzen auch f\u00fcr unsere Landessprachen sowie die punktuelle Verwendung von Englisch eingesetzt.<\/p>\r\n<p>Die Schweiz ist vielsprachig. Mit vier Landessprachen verf\u00fcgen wir \u00fcber eine kulturelle Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Die Mehrsprachigkeit ist als Teil unserer Kultur tief in uns verankert. Hinzu kommen noch weitere Sprachen, die hier gesprochen werden. Sie bilden eine neue Herausforderung in Bezug auf unsere Landessprachen.<\/p>\r\n<p>Die Sprachenvielfalt spiegelt sich auch in der staatlichen Organisation wider. In ihrer Vielfalt geht sie einher mit den verschiedenen Sprachen und Kulturen. Da haben wir zum einen den f\u00f6deralistischen Aufbau mit den Kantonen und Gemeinden, die \u00fcber grosse Autonomie verf\u00fcgen und als identit\u00e4tsstiftende Einheiten massgebend zum Funktionieren unseres Staates beitragen. Dabei spielen die Sprachen eine wichtige Rolle. Nicht nur, aber vor allem die mehrsprachigen Kantone sind gefordert. Massgebend ist der respektvolle Umgang mit Minderheiten und deren Einbezug.<\/p>\r\n<p>Im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert sich die Gesellschaft und mit ihr die Gewohnheiten.<\/p>\r\n<p>\u00abStai si defenda, Romontsch, tiu vegl lungatg\u00bb galt in den 1930er Jahren als Renaissance des R\u00e4toromanischen. Die Diskussion und Volksabstimmung zum R\u00e4toromanischen im Rahmen der \u00abgeistigen Landesverteidigung\u00bb f\u00fchrte zu einem innenpolitischen Schulterschluss. Zwar war R\u00e4toromanisch seit 1938 als vierte Landessprache anerkannt, aber viele Namen wurden noch auf Deutsch verwendet. Erst gegen Ende der 40er Jahre wurde aus Fellers = Falera oder aus Fetan = Ftan. Dannzumal wurden auch Doppelnamen eingef\u00fchrt wie: Disentis\/Must\u00e9r oder Scuol\/Schuls, das sp\u00e4ter dann nur noch zu Scuol mutierte. Auch Vornamen lauteten oft auf Deutsch: Johann Bartholom\u00e4us, obwohl man ihn im Dorf Giacun Barclamiu nannte.<\/p>\r\n<p>R\u00e4toromanisch ging sachte auch im Radio und Fernsehen \u00fcber den \u00c4ther. Tista Murks Radiosendung: \u00abviagiond cul microfon\u00bb oder der \u00abbalcun tort\u00bb wurden regelm\u00e4ssig im deutschschweizer Programm ausgestrahlt.<\/p>\r\n<p>\u00abStai si defenda, Romontsch tiu vegl lungatg\u201d: dieser Slogan wurde immer mehr in die Tat umgesetzt, denn er wurde geh\u00f6rt.<\/p>\r\n<p>Oravontut ils onns 80 eran decisivs e han sensibilisau. Ins seturpegiava buca pli dad esser Romontscha ni da tschintschar romontsch. Gl\u2019ei vegniu fatg attent e nossa pli pintga minoritad ha ughegiau da far pretensiuns:<\/p>\r\n<p>pretendiu dapli emissiuns el radio e la televisiun;<\/p>\r\n<p>pretendiu ch\u2019ins sappi scriver allas autoritads federalas per romontsch e ch\u2019ins survegni era ina risposta per romontsch. La Ligia Romontscha ha gronds merets en quei connex.<\/p>\r\n<p>Quei ei impurtont per nossa identitad romontscha. Buca mo: gl\u2019ei impurtont che nos cumpatriots seigien cunscients ch\u2019il romontsch existi e ch\u2019ei vegniu tschintschau romontsh. Das R\u00e4toromanische konnte also immer mehr Fuss fassen.<\/p>\r\n<p>Die Eidgenossenschaft war jedoch lange kein mehrsprachiges Gebilde. Frau Chassot hat bereits den Fall von Freiburg erw\u00e4hnt. Denn erst mit der Franz\u00f6sischen Revolution \u00e4nderte sich die Einstellung zum Franz\u00f6sischen. Mit den Mediationsakten von 1803 wurde die Schweiz erstmals mehrsprachig. Als mehrsprachige Kantone waren das Wallis und Graub\u00fcnden Vorbild f\u00fcr die politische Struktur und Sprachenpolitik des Bundes, denn sie verf\u00fcgten bereits \u00fcber Erfahrungen mit dem F\u00f6deralismus. Bis zur Umsetzung der drei Amtssprachen als gleichwertige Sprachen dauerte es jedoch noch einige Jahrzehnte.<\/p>\r\n<p>Und gleichwertig heisst f\u00fcr mich insbesondere: <strong>gleichzeitig<\/strong>. In meinen fr\u00fcheren T\u00e4tigkeiten habe ich mich daf\u00fcr eingesetzt, dass die Vorlagen gleichzeitig auf Deutsch, Franz\u00f6sisch und Italienisch erschienen. Angesichts der Massen an Dokumenten, die beim Bund produziert werden, bedeutet dies einen Kraftakt f\u00fcr die Sprachdienste. Aber gerade in der Gleichzeitigkeit liegt der Respekt gegen\u00fcber den Minderheitensprachen.<\/p>\r\n<p>Nebst unseren demokratischen Strukturen mit den politischen Rechten und dem F\u00f6deralismus verf\u00fcgen wir \u00fcber Instrumente, die wesentlich zum guten Funktionieren unseres Landes beitragen. In Bezug auf die Zusammensetzung des Bundesrates schreibt die Bundesverfassung vor, dass die Landesgegenden und Sprachregionen angemessen vertreten sind (Art. 175 Abs. 4 BV). Zwei weitere Korrektive sorgen daf\u00fcr, dass eine einfache numerische Mehrheit nicht ausreicht. Dazu geh\u00f6ren das doppelte Mehr bei Verfassungs\u00e4nderungen und die Zusammensetzung des St\u00e4nderates. Diese Korrektive sind in einem Land der Minderheiten \u00e4usserst wichtig. Denn so kann verhindert werden, dass eine Sprachmehrheit sich ungeachtet der Anliegen der Minderheiten wie eine Dampfwalze \u00fcber sie hinwegsetzt.<\/p>\r\n<p>Auch die SRG spielt diesbez\u00fcglich eine wesentliche Rolle. Deren Geb\u00fchrenregelung ist ein Beispiel gelebter Solidarit\u00e4t. Und wir sind froh, dass die No-Billag-Initiative abgelehnt wurde. Ein Nebeneinander verschiedener Minderheiten harmoniert und verschmilzt zu einem Miteinander. Der Wille zur Gemeinschaft f\u00fchrt zur Einheit in der Vielfalt. Das h\u00e4lt uns zusammen und daraus sch\u00f6pfen wir denn auch unsere Kraft.<\/p>\r\n<p>Es ist richtig und wichtig, dass nebst den staatlichen Institutionen auch die Zivilgesellschaft ihren Beitrag rund um die Sprachenfrage leistet. Dazu geh\u00f6ren Vereine, Stiftungen oder Dachverb\u00e4nde, wie beispielsweise das Forum Helveticum. Es setzt seinen Akzent insbesondere auf die F\u00f6rderung der Sprachkompetenzen der Jugendlichen. Denn sie sollen dank ihren Kompetenzen wettbewerbsf\u00e4hig sein und verantwortungsvoll handeln. Das Institut f\u00fcr Mehrsprachigkeit hat uns bei der diesj\u00e4hrigen Durchf\u00fchrung des Wettbewerbs \u00ablinguissimo\u00bb sehr unterst\u00fctzt, wof\u00fcr ich Ihnen, Herr Direktor, nochmals herzlich danken m\u00f6chte. Das Forum (Helveticum) feiert dieses Jahr sein 50-j\u00e4hriges Bestehen. Dieses Jubil\u00e4um nehmen wir zum Anlass, am kommenden Wochenende in die Zukunft zu schauen und uns die Frage zu stellen, welchen Einfluss die neuen Technologien auf die Sprachen und die Mehrsprachigkeit haben werden: ?Wird es in Zukunft selbstverst\u00e4ndlich sein, Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, die vom Handy simultan\u00fcbersetzt werden? ?Wo liegen die Potenziale und Grenzen solcher Tools? ?Und inwieweit wird dadurch die sprachkulturelle Verst\u00e4ndigung in unserem Land erleichtert oder erschwert? Ein Hakathon soll dazu Ideen und Impulse liefern.<\/p>\r\n<p>Aber auch die Wissenschaft ist sehr wichtig. Das Institut f\u00fcr Mehrsprachigkeit geh\u00f6rt eindeutig dazu. Gerade in Zeiten, wo die Sprachen sowohl politisch als auch gesellschaftlich unter Druck geraten, ist es wichtig, dass gewisse Untersuchungen methodisch durchgef\u00fchrt werden. In den vergangenen Jahren haben in verschiedenen Kantonen Abstimmungen rund um Sprachenfragen im schulischen Bereich stattgefunden. Unter Druck geraten jeweils die Landessprachen. Es ist erfreulich, dass die Volksabstimmungen den Stellenwert unserer Landessprachen best\u00e4tigt haben.<\/p>\r\n<p>Ich gratuliere zum 10-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um und danke f\u00fcr die Arbeit, die das Institut f\u00fcr Mehrsprachigkeit leistet. Ich bin gespannt, welche Projekte es noch in Angriff nehmen wird und freue mich auf deren Resultate.<\/p>\r\n<p>Engraziel fetg.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist f\u00fcr mich eine besondere Ehre, heute am 10-j\u00e4hrigenJubil\u00e4um des Instituts f\u00fcr Mehrsprachigkeit das Wort zu ergreifen. Und ich danke Ihnen, Herr Direktor, ganz herzlich daf\u00fcr. 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